Was steckt hinter «Parfum»?

Wie Duftstoffe auf Etiketten verschwinden – und was eine neue Studie über Parabene und Phthalate zeigt
Auf fast jeder Zutatenliste steht es irgendwo: «Parfum». Ein harmloses Wort. Doch dahinter können über hundert einzelne Stoffe stecken.
Was passiert eigentlich im Körper, wenn man einen Monat lang anders pflegt? Genau das hat ein Forschungsteam in San Francisco untersucht.
28 Tage, ein Signal
41 gesunde Frauen verzichteten 28 Tage lang auf Produkte mit Parabenen und Phthalaten. Sie bekamen Ersatz für ihren ganzen Pflege-Alltag: Shampoo, Deo, Lotion, Zahnpasta, Make-up und mehr.
Vorher und nachher wurden Urin und Blut untersucht. Zusätzlich entnahm ein Arzt mit einer feinen Nadel Zellen aus der Brust. Keine der Frauen hatte Krebs.
Das Ergebnis, veröffentlicht 2023 in der Fachzeitschrift Chemosphere:
- Im Urin fanden sich danach deutlich weniger Parabene. Auch DEP nahm ab, ein Phthalat aus Duftmischungen.
- Bei 12 Frauen wurde das Brustgewebe genauer untersucht. Bestimmte Gene, die man aus Krebszellen kennt, waren danach weniger aktiv. Zwei Frauen ohne Umstellung dienten als Vergleich.
Es ist eine kleine erste Studie. Sie beweist nicht, dass Parabene oder Phthalate Krebs verursachen – das sagen die Forschenden selbst. Aber sie zeigt: Gesundes Gewebe reagiert auf das, was wir täglich auf die Haut geben. Und zwar schon nach wenigen Wochen.
Parabene: günstig, wirksam – und hormonaktiv
Parabene sind Konservierungsstoffe. Sie machen Cremes und Shampoos länger haltbar. Sie sind günstig und zuverlässig, darum stecken sie in vielen Produkten.
Einige Parabene sind dem Hormon Östrogen ähnlich. Sie können im Körper an denselben Stellen andocken. Ihre Wirkung ist viel schwächer als die des eigenen Östrogens.
Die Regeln in der EU, die Schweiz übernimmt sie weitgehend:
- Fünf Parabene sind seit 2014 verboten.
- Propyl- und Butylparaben: höchstens 0,14 %. In Windelpflege für Kinder unter drei Jahren verboten.
- Methyl- und Ethylparaben: bis 0,4 % erlaubt. In dieser Menge laut EU-Fachleuten sicher.
Die Behörden prüfen jeden Stoff einzeln. Offen bleibt: Was macht die Summe?
Ein Wort für über hundert Stoffe
Duftmischungen dürfen auf der Etikette unter dem einen Wort «Parfum» stehen. Welche Stoffe genau darin stecken, muss der Hersteller nicht verraten.
Nur bestimmte Allergene müssen einzeln aufgeführt werden. Bei neuen Produkten sind das seit Juli 2026 rund 80 statt bisher 24 Stoffe. Das hilft Menschen mit Allergien. Alles andere bleibt unsichtbar.
Zum Beispiel DEP (Diethylphthalat). DEP ist ein Lösungsmittel und sorgt dafür, dass ein Duft länger hält. Steckt es in der Duftmischung, steht es nicht auf der Etikette. DEP ist in der EU erlaubt und gilt in üblichen Mengen als sicher. Andere Phthalate wie DEHP und DBP sind in Kosmetik verboten.
Nach der Umstellung in der Studie sank genau das Abbauprodukt von DEP. Phthalate aus Lebensmitteln blieben gleich. Die Veränderung kam also aus dem Badezimmer.
Und ätherische Öle?
Pflanzen wirken – das ist ihre Stärke. Darum lohnt sich auch hier ein genauer Blick.
Ein US-Forschungsinstitut hat 2019 acht Bestandteile von Lavendel- und Teebaumöl im Labor getestet, an einzelnen Zellen. Drei davon zeigten eine schwache östrogenähnliche Wirkung – allerdings nur in extrem hohen Mengen.
Was an Zellen passiert, lässt sich nicht einfach auf den Menschen übertragen. Grössere Auswertungen geben Entwarnung: Eine Übersichtsstudie fand keinen Beleg für Teebaum und kaum einen für Lavendel. Die Forschenden selbst raten ausdrücklich nicht davon ab, die Öle zu verwenden.
Was stimmt: Auch natürliche Öle können Allergien auslösen. Darum stehen jetzt auch Bergamotte, Orange, Ylang-Ylang, Lavendel, Jasmin und Rose auf der EU-Allergenliste.
Ätherische Öle sind keine Gefahr, sondern konzentrierte Wirkstoffe. Wie bei einem guten Gewürz entscheidet die Menge: wie viel, wie lange und für wen.
100 % natürlich. 100 % nachvollziehbar. Wissenschaftlich fundiert.
Bei Casa Cafaro arbeiten wir nur mit natürlichen Inhaltsstoffen. Ohne Parabene, ohne synthetische Duftstoffe, ohne Phthalate.
Bei uns gibt es kein «Parfum». Wir nennen jedes Öl beim Namen. So weiss man, was man aufträgt und einatmet.
Wir dosieren gezielt statt grosszügig, beduften Räume mit Plan und Pausen und sind bei Kindern und Haustieren bewusst zurückhaltend.
Wir versprechen, dass man weiss, was drin ist – und dass jeder Tropfen einen Grund hat.
Häufige Fragen
Worauf sollte ein Betrieb beim Einkauf von Raumduft achten? Auf eine vollständige Liste der Inhaltsstoffe statt des Sammelbegriffs «Parfum». Dazu gehören Herkunft, Qualitätsprüfung und klare Angaben zur Dosierung. Was ein Anbieter nicht offenlegen will, sollte hellhörig machen.
Was sagen wir Gästen, die nach den Inhaltsstoffen fragen? Die Wahrheit, und zwar vollständig. Zu jeder unserer Mischungen gibt es eine Liste aller Öle. So kann das Team jede Frage beantworten – auch die von Gästen mit Allergien.
Ist «phthalatfrei» auf einer Verpackung ein Qualitätsmerkmal? Nur bedingt. Die meisten problematischen Phthalate sind in Kosmetik ohnehin verboten. Aussagekräftiger ist, ob ein Hersteller alle Duftstoffe einzeln benennt.
Quellen
- Dairkee SH et al. (2023). Reduction of daily-use parabens and phthalates reverses accumulation of cancer-associated phenotypes within disease-free breast tissue of study subjects. Chemosphere 322:138014. doi.org/10.1016/j.chemosphere.2023.138014
- Ramsey JT et al. (2019). Lavender Products Associated With Premature Thelarche and Prepubertal Gynecomastia. J Clin Endocrinol Metab 104(11):5393–5405. doi.org/10.1210/jc.2018-01880
- Hawkins J et al. (2019). The relationship between lavender and tea tree essential oils and pediatric endocrine disorders: a systematic review. Complement Ther Med 49:102288. doi.org/10.1016/j.ctim.2019.102288
- Verordnung (EU) Nr. 1004/2014 und Nr. 358/2014 – Parabene in kosmetischen Mitteln. umwelt-online.de
- Verordnung (EU) 2023/1545 – Kennzeichnung von Duftstoffallergenen. MDSS Cosmetics
- EU-Kommission, Wissenschaftlicher Ausschuss für Verbrauchersicherheit – Diethyl Phthalate. ec.europa.eu
Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine medizinische Beratung.