Casa Cafaro
Duft als stille Exzellenz

Studien

Wir sammeln alles, was uns über ätherische Öle in die Finger kommt. Die Sammlung an interessanten Studien wächst hier wöchentlich. 

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Lemon Balm & Valerian – GABA-Transmission (Pineau et al., 2016)

Diese Forschungsarbeit untersucht die beruhigende Wirkung von Melissa officinalis (Melisse) und Valeriana officinalis (Baldrian) auf das zentrale Nervensystem. Im Mittelpunkt steht der Einfluss beider Pflanzen auf die GABA-Übertragung, das wichtigste hemmende Neurotransmittersystem im Gehirn. Studien deuten darauf hin, dass Inhaltsstoffe wie Rosmarinsäure (eine phenolische Verbindung, die trotz ihres Namens aus Melisse stammt) und Valerensäuren die GABA-Aktivität modulieren und so zur Entspannung und Schlafqualität beitragen können. Ergänzend weisen präklinische Modelle auf eine mögliche Hemmung des Enzyms GABA-Transaminase hin, was die GABA-Konzentration im Gehirn erhöhen könnte. Erste klinische Beobachtungen zeigen, dass die Kombination beider Pflanzen bei innerer Unruhe, Anspannung und leichten Schlafstörungen hilfreich sein kann. Die Autoren betonen jedoch, dass die Mechanismen noch nicht vollständig geklärt und weitere Studien notwendig sind, um die Wirksamkeit beim Menschen zu bestätigen.

Vanderbilt University – Stressreduktion durch ätherische Öle im Pflegealltag (2013)

In einer 30-tägigen Initiative am Vanderbilt University Medical Center wurde der Einfluss ätherischer Öle auf das Wohlbefinden des Pflegepersonals untersucht. Während dieser Zeit wurden in der Notaufnahme ätherische Öle regelmässig diffundiert. Die anschliessenden Mitarbeiterbefragungen zeigten deutliche Verbesserungen: Das Empfinden von arbeitsbedingtem Stress sank von 41 % auf 3 %, während das Gefühl, gut mit Stress umgehen zu können, von 13 % auf 58 % anstieg. Auch Energielevel und allgemeine Stimmung verbesserten sich spürbar. Über 90 % der Befragten gaben an, dass sich das Arbeitsumfeld positiv verändert habe. Die Studie zeigt, dass Aromatherapie zu einem positiveren Arbeitsklima beitragen kann – auch wenn die Ergebnisse auf subjektiven Angaben beruhen und keine Kontrollgruppe einbezogen wurde.

UMC Perioperative Nursing – Citrusöle & Stress (Poster, Vanderbilt University)

Dieses IRB-geprüfte (Institutional Review Board) Projekt der Vanderbilt University untersuchte, wie sich Zitrusöle auf die wahrgenommene Stressbelastung im perioperativen Pflegebereich auswirken. Über einen definierten Zeitraum wurden in Aufenthaltsräumen ätherische Öle aus Zitrusfrüchten – darunter Zitrone, Limette, Bergamotte, Mandarine und Orange – diffundiert. Der gemessene Stresswert (Perceived Stress Scale) sank im Median um drei Punkte. Die eingesetzten Öle enthielten bekannte aromatische Hauptbestandteile wie Limonen und β-Pinene, die in der Forschung mit stimmungsaufhellenden Eigenschaften in Verbindung gebracht werden. Die Teilnehmenden berichteten von einer angenehmeren Atmosphäre und mehr Wohlbefinden während der Arbeit. Auch wenn die Studie keine Kontrollgruppe einschloss, liefert sie praxisnahe Hinweise auf das Potenzial ätherischer Öle zur Unterstützung von Mitarbeitenden in Hochstress-Umgebungen.

Antivirale Wirkung von „On Guard™“ (Wu et al., 2010, PMC)

Diese Laborstudie untersuchte die antivirale Aktivität einer ätherischen Öl-Mischung (On Guard™, doTERRA) gegen den Influenza-A-Virusstamm H1N1. In vitro-Tests mit MDCK-Zellen zeigten, dass eine Vorbehandlung des Virus mit der Öl-Mischung die Infektiosität und Virusvermehrung deutlich verringerte. Besonders auffällig war eine starke Reduktion der Virusproteine NP und NS1, während die Virus-RNA unbeeinflusst blieb – ein Hinweis darauf, dass die Ölkomponenten die virale Proteinsynthese hemmen könnten. Die eingesetzten Konzentrationen waren für die Zellen nicht toxisch. Die Autoren betonen, dass diese Ergebnisse ausschliesslich im Reagenzglas erzielt wurden und keine direkte Übertragbarkeit auf den Menschen belegen. Dennoch deutet die Studie auf ein interessantes antivirales Potenzial bestimmter ätherischer Öle hin, das weitere Forschung verdient.

Boswellia – Systematische Scoping-Review (Pilkington & Pilkington, 2022)

Diese umfassende Übersichtsstudie wertete über 650 wissenschaftliche Arbeiten zu Boswellia-Arten aus – von Laboruntersuchungen bis zu klinischen Studien. Die Analyse zeigt ein breites Anwendungsspektrum: entzündungshemmende, immunmodulierende und zellschützende Effekte stehen im Vordergrund. Besonders gut untersucht sind die boswellischen Säuren AKBA und KBA, die in vitro und in vivo deutliche antiinflammatorische Wirkungen zeigten. Rund 10 % der erfassten Studien sind klinische Untersuchungen am Menschen, vor allem zu chronisch-entzündlichen Erkrankungen, Gelenkschmerzen und Darmgesundheit. Die Autoren betonen, dass trotz vielversprechender Daten eine Standardisierung der Extrakte und mehr qualitativ hochwertige Humanstudien nötig sind, um Dosierungen, Wirksamkeit und Sicherheit besser zu definieren. Boswellia gilt als ein vielversprechendes pflanzliches Mittel mit breitem therapeutischem Potenzial.

Mit der Psychologin Bettina M. Pause über unseren Geruchssinn

Zur Abwechslung etwas zum Hören. Unsere Nase kann viel mehr als wir denken, sagt Bettina M. Pause. Sie ist weltweit eine der führenden Wissenschaftlerinnen, wenn es um unseren Geruchsinn geht. Seit 2005 ist sie Professorin für Biologische Psychologie und Sozialpsychologie an der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf. Gemeinsam mit ihrem Team erforscht sie, welche Rolle unsere Nase und unser Geruchssinn bei unserer Kommunikation spielen. Denn unsere Nase erkennt nicht nur den Duft von frischen Blumen oder den Gestank von Abgasen, sondern auch Liebe, Angst und Aggressionen. Wenn wir alle mehr riechen als denken würden, wären wir ziemlich sicher glücklicher, schreibt Bettina M. Pause in ihrem Buch "Alles Geruchssache - Wie unsere Nase steuert, was wir wollen und wen wir lieben".